Bund Naturschutz gegen weitere Erschließung des Haidforst

Print Friendly, PDF & Email

Der Bereich Haidforst des Stadtwaldes unterteilt sich in die Distrikte I. Langhaid und II Untere Haid. Die nun von Planungen betroffenen Bereiche liegen im Distrikt Langhaid

Der Stadtwald Traunstein (insgesamt ca. 600 ha) umfasst neben vielen kleineren Waldflächen vor allem drei große, zusammenhängende Waldbereiche: Haidforst im Norden (150 ha), Bürgerwald im Südosten (240 ha) und Froschham bei Kammer (130 ha).

Der Haidforst ist ein wertvoller Wald. Laut einem Bericht des Traunsteiner Stadtwaldes gemeinsam mit der TU München hat der Haidforst z.B. den zweitgrößten Anteil an Edellaubhölzern nach Froschham. Trotzdem gibt es noch einen hohen Anteil an Fichten, der Waldumbau zu einem Mischwald ist aber in vollem Gange

Ziele des Stadtwaldes:

  • Aufbau naturnaher, gemischter Waldbestände gemäß dem Bayerischen Waldgesetz (Funktionen: Nutzung, Naturschutz, Erholung)
  • Förderung und Sicherung der natürlichen Waldverjüngung
  • Biotopschutz und Erhalt größtmöglicher Biodiversität
  • Erzielung tragbarer Deckungsbeiträge

Die Rodung großer Flächen des Haidforst wiederspricht also den gesteckten Zielen!

Im Haidforst liegt eine geschützte Naturwaldparzelle (Landschaftsbestandteil LB 00033) mit 8,5 ha Größe. Eine Besonderheit ist hier die Dohlenkolonie, eine Europarechtlich geschützte Vogelart. Dieser LB wurde im Zuge der Erweiterung der Fa. Leimer geändert.

Entsprechend der Schutzverordnung liegt der Schutzzweck im Wesentlichen darin

  • den Wald im Hinblick auf seinen ökologischen Wert und seine Funktionen für die Erholung, den Lärmschutz und für Forschung und Lehre in seiner gegenwärtigen naturnahen Zusammensetzung und altholzreichen Strukturen zu erhalten und langfristig in seiner Entwicklung zu einem naturnahen, gemischten und stufigen Bestandsgefüge zu fördern.
  • Die Lebensbedingungen für eine reichhaltige Fauna zu fördern, insbesondere auch für höhlenbrütende und auf Totholz angeweisene Tiere und
  • die zur Erreichung der vorgenannten Ziele erforderliche Sicherung des Nährstoff- und Wasserhaushaltes zu gewährleisten sowie die wirtschaftliche Nutzung durch naturschutzbestimmte Beahndlung zu ersetzen.

Gegen den Verlust des LB kann der BN klagen.

Die Waldbestände sind Lebensraum für unterschiedliche Tierarten:

  • Fledermäuse (Wasserfledermaus, Rauhautfledermaus, kleine und große Bartfledermaus, Zwergfledermaus)
  • Höhlenbrütende Vogelarten (Grünspecht)
  • Waldvögel allgemein (Dohle)
  • Greifvögel

Der Haidforst ist ein wichtiger

  • Erholungswald: Bei jedem Wetter werden Jogger, Spaziergänger, Reiter,Schulklassen etc. im Haidforst angetroffen. In diesem großen und floristisch und faunistisch vielfältigem Gebiet kann man „Wald“ auch stadtnah erleben.
  • Schutzwald für die nördlichen Stadtviertel wie Haidforst und Kotzing: Die Stürme Kyrill (2007) und Paula (2008) haben große Schäden im Haidforst hinterlassen. Ohne die Barrierewirkung dieser großen, zusammenhängenden Waldfläche wären die Schäden in bebautem Gebiet wesentlich größer gewesen.
  • Wirtschaftswald: Die tiefgründigen, nährstoffreichen Böden bewir-ken ein gutes Holzwachstum, die ebenen Flächen und die gut vernetzten Forstwege ermöglichen eine kostensparende Holz-bringung. Aus diesem Grund ist der Haidforst ein wirtschaftliches „Sahnestück“ des Stadtwaldes, mit dem Verlust dieser Flächen ist die insgesamt gewinnbringende Bewirtschaftung des Traunsteiner Stadtwaldes wohl nicht mehr möglich.

Bund Naturschutz ist gegen ein neues Gewerbegebiet im Haidforst!

Im Juli 2017 hat der Traunsteiner Stadtrat beschlossen, ein künftiges Gewerbegebiet im Traunsteiner Norden (Haidforst) auszuweisen und dieses mit einer Verbindungsstraße und einem Kreisverkehr an die B 304 anzuschließen.

Als erstes wird eine Flächennutzungsplanänderungen für den Bau dieser Straße durchgeführt werden. Außerdem soll das Gewerbegebiet bis zur nördlichen Gemarkungsgrenze erweitert werden. Die Kosten für den Straßenbau werden mit 2,2 Mio angegeben.

Als Grund wird vor allem die schwierige und gefährliche Einmündung der Kotzinger Straße in die Wasserburger Straße angegeben.

Der Bund Naturschutz lehnt diese Planungen aus vielen Gründen ab:

  • Mit dem Neubau einer Straße durch den Haidforst und die Anbindung an die B 304 ist die Ausweisung des gesamten Gebietes als Gewerbefläche vorprogrammiert!
  • Der Bedarf für so viele neue Gewerbeflächen ist bisher nicht nachgewiesen, auch die neuen Gewerbeflächen im Süden der Stadt sind bisher nicht alle verkauft. Weiterer unnötiger Flächenverbrauch muss verhindert werden!
  • Es ist zu befürchten, dass das Angebot einer schnellen Verbindung und einer problemlosen Einfahrt in die B 304 durch einen Kreisverkehr den Verkehr (insbesondere den Lkw-Verkehr) auch aus Richtung Nussdorf und Wolkersdorf anziehen wird. Auch die Ansiedelung neuer Gewerbegebiete bringt neuen Verkehr mit sich. Die Folge wäre eine zusätzliche Belastung z.B. von Kotzing. Alle Auswirkungen einer neuen Verbindung auf die gesamten Verkehrsströme im Traunsteiner Norden wurden bisher nicht untersucht!
  • Ein großer Teil des gesamten Waldgebietes ist als Naturwaldparzelle geschützt. Schon einmal wurde für die Ausweisung von Gewerbeflächen ein Teil der Naturwaldparzelle geopfert und das Schutzgebiet verschoben. Der Bund Naturschutz befürchtet nun weitere Eingriffe in das Schutzgebiet oder gar die völlige Aufgabe!
  • Der bisher noch zusammenhängende Haidforst dient nicht nur zur Erholung, sondern er ist auch durch die Produktion von kühler und feuchter Frischluft besonders im Sommer wichtig für das Klima im nördlichen Stadtgebiet.
  • Der Traunsteiner Stadtwald ist in den letzten Jahrzehnten in einen wertvollen Mischwald umgewandelt worden, der auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Traunstein ist. Gerade die ebenen und gut zugänglichen Flächen im Norden der Stadt leisten einen wichtigen Beitrag für das Ziel einer insgesamt kostendeckenden Holznutzung. Der Verlust dieser Waldflächen wird den Haushalt des Stadtforstes negativ beeinflussen.
  • Die vom Ingenieurbüro genannten Kosten von 2,2 Millionen hält der Bund Naturschutz für viel zu niedrig. Denn es müssen nicht nur die Straßenbau- und Erschließungskosten berücksichtigt werden, sondern auch die Kosten für den nach dem Waldgesetz notwendigen waldbaulichen Ausgleich. Waldflächen müssen bei Verlust 1:1 ausgeglichen werden, dafür werden wohl weitere Grundstückskäufe notwendig werden.
  • Erste Verkehrszählungen in 2017 haben ergeben, dass etwa 8000 Lkws, Busse und Pkws mit Anhänger den Bahnübergang Empfing pro Woche passieren, insgesamt sind es 38.000 Kraftfahrzeuge pro Woche. Diese Verkehrsmenge ist an vielen anderen Kreuzungen in Traunstein ebenfalls zu messen, mit einer verkehrsregelnden Dauerampel könnten hier alle Gefahren und die langen Wartezeiten für Lkw-Fahrer entschärft werden!
  • Verbesserungen für die Zufahrt zur Fa. Schaumeier müssen im Bestand erfolgen (moderate Straßenverbreiterungen, Änderung der Parkregelungen in der Industriestraße und Kotzinger Straße, Bereitstellung von Parkflächen durch die anliegenden Firmen). Der Straßenneubau durch den Haidforst darf nicht die vermeintlich einzige Möglichkeit für die Verbesserung der Verkehrsprobleme sein!

Ausgleich:

Entsprechend Art. 9 BayWaldG ist eine Rodung zu versagen, wenn die im Waldfunktionsplan dargestellten Ziele beeinträchtigt werden. Bei einem Waldersatz in flächenmäßig gleichem Umfang ist allerdings eine Zustimmung möglich. Der Waldersatz hat in flächenmäßig gleichem Umfang zu der Verlustflächengröße zu erfolgen. Hinzu kommt noch der naturschutzrechtlich erforderlichen Ausgleich. Der erforderliche Ausgleich nach bayerischem Waldgesetz muss ich nicht mit dem naturschutzfachlichen Ausgleich decken.

Teile des Haidforstes sind schon als Ausgleichsfläche festgesetzt, Baumaßnahmen ziehen hier einen doppelten Auslgeichsbedarf nach sich.

Beate Rutkowski