|

„Brauchen wir ein Güterterminal im Chiemgau?“

Print Friendly
18. November 2012

Bürgerinitiative beim Vortrag

Anstelle des regulären November-Treffens fuhren die Mitglieder unserer Bürgerinitiative nach Weibhausen, um die Diskussion über den neuen Standort für eine mögliche Güterverteilungsanlage in Hufschlag (Gemeinde Surberg) zu verfolgen.

Einer der interessantesten Aspekte der Veranstaltung war die Frage

Woher kommen eigentlich die ganzen Güter, die auf der geplanten Güterumladestation in verladen werden sollen?“,

die keiner an diesem Abend beantworten konnte oder wollte.

Auf dem Foto sieht man Harald Schwarzbach (links) in der Diskussion mit Dr. Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen)18. November 2012

Eingeladen hatte der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen und es waren gekommen: Dr. Anton (Toni) Hofreiter, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, Harald Schwarzbach von der Wirtschaftsförderungs-GmbH des Landkreises, Karl Fischer, vom Logistik-Kompetenz-Zentrum in Prien, Josef Wimmer, Bürgermeister von Surberg und überraschend Otto Hawlicek vom CTS Container Terminal Salzburg.

Knapp 150 Zuhörer fanden sich ein und Sepp Hohlweger, der durch die Veranstaltung führte, begrüßte besonders unsere BI mit ihrem Vorsitzenden Werner Siegl.

Dr. Hofreiter führte in seinem Eingangsreferat aus, dass der Güterverkehr auf der Schiene in Deutschland zur Zeit nicht wachse, weil die relevanten Strecken und Knoten voll ausgelastet sind. Das Geld für Bahnprojekte müsse dort investiert werden, wo es am nötigsten ist, und nicht für ein Güterterminal hier in einer Region, wo wir schon eine hohe Dichte an Güterverladestationen haben.

Hofreiter zählte auf: Salzburg, Burghausen, München – und neuerdings werden auch bei der BSH in Traunreut Container auf die Reise geschickt.

Karl Fischer (LKZ Prien) sagte, dass aus Hamburg 690000 Container jährlich nach Bayern gebracht werden, davon 35% auf der Straße. Er sagte aber leider nicht, wie viele von diesen Containern dann schließlich im Chiemgau angeliefert werden. Er informierte dann: „Für eine Verladestation für den Kombinierten Verkehr gibt es vom Staat 80% Fördergelder.“ Im Chiemgau gebe es fast keine Arbeitslosigkeit und um das zu erhalten brauchen wir gute Möglichkeiten für den Güterverkehr.

Harald Schwarzbach (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) betonte, dass momentan erst die Standortfrage betrachtet werde. Dabei berücksichtige das Eisenbahnbundesamt alle relevanten Punkte, also auch Wasserschutz und Naturschutz. Eine Entscheidung war für Spätsommer zugesagt, ist aber noch nicht eingetroffen. „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagte er dann mit Blick auf den Klimawandel.

Surbergs Bürgermeister Josef Wimmer machte deutlich, dass Surberg die Anlage nicht will, und dass die Gemeinde das auch begründet hat: Der Standort dient zur Wasserversorgung Surbergs, ist als Wasserschutzgebiet vorgesehen und das direkt angrenzende Ödmoos ist Naturschutzgebiet.

Nach diesen Statements kamen die Bürger zu Wort und Elke Scheil, Gemeinderätin in Surberg sagte mit Bezug auf das Zitat von Herrn Schwarzbach zum Klimawandel: „Ich glaube, Landrat Steinmaßl und Herr Schwarzbach sitzen im Boot und wir Surberger Bürger schwimmen nebenher und gehen dann unter“. Dabei bezog sie sich wohl auf die mangelhafte Bürgerbeteiligung durch die Wirtschaftsförderungs-GmbH. – „Da ist einiges nicht optimal gelaufen“, gab Herr Schwarzbach daraufhin zu.

Rosi Berger von der BI Haidforst fragte “Verträgt es sich denn mit unserer Tourismusregion, wenn Güter von überall her nach Hufschlag gefahren werden, um dann auf den Zug geladen zu werden?“

Der Teisendorfer Gemeinderat Edwin Hertlein wusste zu berichten, dass vor einigen Jahren die Planungen für ein Güterterminal hier in der Gegend eingestellt wurden, weil einfach kein Bedarf da war.

Herr Atzinger von der Bürgerinitiative in Hufschlag beschwerte sich, dass von Seiten der Wirtschaftsförderungs-GmbH nicht informiert wurde und er wiederholte seinen Unmut, dass über den Bedarf an diesem Abend keine einzige Zahl genannt wurde.

Hermann Eschenbeck vom Bund Naturschutz wies darauf hin dass das Ödmoos ein FFH (Flora-Fauna-Habitat) Gebiet ist. Toni Hofreiter ergänzte: „ Ein FFH-Gebiet darf nur dann belangt werden, wenn wirklich gar nichts anderes mehr geht“ und Hermann Eschenbeck sagte weiter: „Wenn es hier zur konkreten Planung kommt, dann zieht der Bund Naturschutz vor Gericht“.

Otto Hawlicek (CTS Salzburg) sagte: „Wir haben dem deutschen Eisenbahnbundesamt gesagt, dass die CTS Salzburg ausreichend Kapazitäten frei hat, um für die ganze Region zu verladen“. Ein Terminal im Traunsteiner Raum würde nur Kapazität von Salzburg abziehen. Und zum Thema Fördergelder sagte er: „ Wenn ich wie in Deutschland 80% Fördergelder kriegen würde, würde ich auch ein Containerterminal bauen, egal wohin.“ Dabei verwies er auf die Tatsache, dass in Regensburg ein Terminal mangels Bedarf geschlossen werden musste und „entlang des Rheins steht alle 50km ein Terminal, und die kämpfen alle mit der Auslastung.“ Viele weitere Fragen wurden gestellt und sie wurden mit Ausnahme des Themas „Woher kommen alle die Güter?“ auch beantwortet. Herr Schwarzbach versprach schließlich, dass er sofort informieren wird, wenn er vom Eisenbahnbundesamt etwas hört.

Auf der Veranstaltung wurde klar, dass keiner der Befürworter auch nur eine Zahl über den möglichen Bedarf für eine Güterverladestation in unserer Gegend nennen konnte und sie somit weder im Haidforst noch in Teisendorf noch in Hufschlag oder einer anderen Stelle ein Terminal gebraucht wird.

Bericht und Foto: Wolfgang Wörner
Nächstes Treffen

Die BI trifft sich am 25. November 2014 um 19:30 Uhr in den Paulaner Stuben in der Wasserburger Straße.

Spendenkonto

Bund Naturschutz Traunstein

Kto.: 14878

BLZ: 710 520 50

Sparkasse Traunstein

Verwendungszweck: "Haidforst"